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Rainer Betz-Mellenthin

Rainer Betz-Mellenthin

 

EDV-Fachmann Rainer Betz-Mellenthin macht sich als mobiler Computer-Dienstleister selbständig

- 30.12.2010 - Wümme Zeitung

"Eigentlich bin ich der Mann für alles"

Von UNDINE ZEIDLER Worpswede.

Bis zum 30. September 2009 arbeitete Rainer Betz-Mellenthin als EDV-Fachmann beim Kabelhersteller Leoni in Lilienthal. Dann machte der Standort dicht. Der 55-Jährige schrieb rund 50 Bewerbungen. Nur einmal lud man ihn zu einem Vorstellungsgespräch ein und da hieß es, er würde den Altersdurchschnitt der Truppe in den Keller ziehen. "Wenn ihr mich nicht haben wollt, muss ich mir selber etwas aufbauen", dachte er sich und machte sich in dem Metier selbständig, das er seit fast 20 Jahren beherrscht: Er nennt sich "Computer Worpswede" und ist als mobiler EDV- Dienstleister unterwegs.

"Ich bin Profi und mir ist kaum etwas fremd", sagt er über sich. Ab 1990 absolvierte Betz-Mellenthin eine EDV-Ausbildung bei Nixdorf in Paderborn und startete direkt danach als System-Administrator in Lilienthal. "Da war es noch Otto Zimmermann", sagt er und, dass er maßgeblich beim Ausbau der EDV in der Firma mitgearbeitet habe. So ganz Zimmermann war es zu dieser Zeit doch nicht mehr. Schon 1989 hatte der in 37 Ländern produzierende Leoni-Konzern auf seiner Einkaufstour das Lilienthaler Traditionsunternehmen Otto Zimmermann (OZET) übernommen.

"Die Arbeit blieb die Gleiche", sagt Betz-Mellenthin über den Inhaberwechsel. Leoni produzierte wie OZET Automobilkabel. "Wir waren der erste Systemlieferant für das Mercedes-Werk in Bremen-Sebaldsbrück." Der Autohersteller verlegte bald sein Lager auf die Straße. Die neue Herausforderung für den Zulieferer bestand darin, zeitnah ans Band zu liefern.

"Ich habe die EDV-Abläufe geglättet" - um die Logistik, Produktion und Anlieferung der Kabelstränge im Computer planen zu können. Jeder Kabelsatz wurde nach Bedarf produziert. Zwischen Anforderung und Anlieferung lagen nur 1,5 Stunden. Dafür sei eine Firma auf eine gute EDV angewiesen. In den letzten zwei Jahren vor der Schließung habe er die EDV alleine betreut, sei mobil im 24-Stunden-Dienst unterwegs gewesen.

Das Sterben des Leoni-Standortes Lilienthal habe schon fünf Jahre zuvor begonnen, aber so Betz-Mellenthin: "Ich wollte bis zum Schluss bleiben, alles anständig zu Ende bringen." Er hoffte, spätere Arbeitgeber wüssten das zu schätzen. Heute würde er so nicht mehr handeln. "Das hat keinen interessiert."

Das Alter und Gehaltsvorstellungen entsprechend dem, was er bis dahin verdient hatte, waren aus seiner Sicht die Gründe, warum er nach der Leoni-Schließung keine Stelle mehr fand. Zum Leoni-Stammsitz nach Nürnberg hätte er für das halbe Geld wechseln können. Er schüttelt den Kopf: "Die Erfahrung ist zweitrangig." Ehemaligen Kollegen in seinem Alter erging es ähnlich.

"Hochqualifiziert und mit 17 Jahren Berufserfahrung - es hat mich ein bisschen erschreckt, dass es auch mich trifft." Leise sagt er: "Über 50 ist man altes Eisen." Hartz IV kam für ihn nicht infrage.

"Kannst du mal helfen", sei er schon früher bei Computer-Problemen gefragt worden. Nach dem Job-Ende besuchte Betz-Mellenthin Existenzgründerseminare. Schrieb Kosten- und Businesspläne, erklärte diese der Arbeitsagentur, wo er eine Förderung beantragt hatte und erkannte: Ein Laden mit Miete und Heizung, das ist "ein Klotz am Hacken". Also lies er seinen Kombi auf Erdgasantrieb umrüsten und wurde mobiler Computer-Dienstleister.

Seine Leistungen fasst er in einen Satz: "Eigentlich bin ich der Mann für alles." Dann erklärt er doch: Defekte Festplatten noch einmal zum Leben zu erwecken, um verlorene Daten zu retten, Internetseiten bauen, Sicherheitslücken beim W-LAN prüfen, Netzwerke aufbauen und warten, Internet und neue Betriebssysteme installieren oder helfen, wenn Windows nicht mehr startet. Dafür kommt er zu seinen Kunden ins Haus, in Worpswede und den Nachbarorten ohne zusätzliche Anfahrtskosten. Bisher habe er kaum ein Problem erlebt, dass er nicht innerhalb einer Stunde hatte lösen können, sagt er zufrieden. Seine Kunden sind meist noch älter als er. Zu erreichen ist "Computer Worpswede" unter 04792/9878950 oder unter www.computer-worpswede.de im Internet.

 

 

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